HTG-Skitouren in der Monte-Rosa-Gruppe

4. bis 10. April 2010 – „Wenn Du für eine Woche Hochtouren in der Schweiz machen willst, kannst Du hinterher froh sein, wenn Du zwei Mal auf einem Gipfel gestanden hast“. Mit dieser (leider sehr oft) wahren Weisheit im Hinterkopf gingen wir das Unternehmen Skihochtouren im Wallis an. Und es begann auch gleich mit einem Fehlstart.

Zunächst wurde der Plan, auf dem Hinweg als Eingehtour das Aletschhorn zu machen, wegen Schlechtwetter aufgegeben. Dann verbrachten wir einen unfreiwilligen Ruhetag in Herbriggen, aber der Wetterbericht machte uns Mut!

Am Ostermontag ließen wir uns nach Zermatt fahren, schulterten unsere Skier und marschierten durch die Fußgängerzone. Mit der Seilbahn schwebten wir dann hinauf zum kleinen Matterhorn und bekamen schon mal einen ersten Eindruck davon, was uns in den nächsten Tagen erwartet. Vor der Bergstation empfing uns zunächst ein heftiger, eiskalter Wind, der uns aber nicht davon abhalten konnte, Richtung Breithorn los zu marschieren. Im Windschatten des Berges angekommen, war´s dann ganz angenehm und so gings rauf auf 4.165 m.

Das war aber noch nicht alles für heute, wir mussten ja noch auf die Monte-Rosa-Hütte und die war noch ganz schön weit weg. Zunächst ging es talwärts über Skipisten und über den Theodulgletscher (klasse Abfahrt, fantastischer Schnee) auf den Monte-Rosa-Gletscher. Dann der endlos scheinende Anstieg zur neuen Monte-Rosa-Hütte. Etwas ungewöhnlich sieht sie ja schon aus, dieses Viel-Eck aus Aluminium und Glas, aber im Inneren überzeugt die sehr durchdachte und zweckmäßige Einrichtung aus hellem Holz.

 Neue Monte-Rosa-Hütte

Am nächsten Tag ergaben sich zwei Gruppen. Wer nach dem doch etwas anstrengenden ersten Tag nicht unbedingt gleich wieder einen 4.000er brauchte, marschierte Richtung Cima di Jazzi, 3.803 m. Simone, Waste, Toni und Mattias (Ruderer) nahmen sich die Signalkuppe, 4.559 m, und die Zumsteinspitze, 4.563 m vor. Beide Gruppen waren erfolgreich und hatten einen tollen Tourentag bei schönstem Wetter.

Abstieg von der Zumsteinspitze

Dufourspitze ja oder nein? Auf der Hütte verdichteten sich die Informationen, dass der Normalweg momentan unmöglich ist. Auch der Zustieg über den Silbersattel führte durch eine vereiste Verschneidung. Für eine solche Eistour waren wir allerdings nicht ausgerüstet. Zudem ließen uns die neuesten Wetterprognosen grübeln. Die ursprüngliche Planung für einen Teil der Gruppe war, übermorgen (am Donnerstag) auf die Südseite zur Mantova-Hütte zu wechseln, um die dortigen 4.000er in Angriff zu nehmen. Der andere Teil hatte mit der Besteigung des Dom geliebäugelt. Jetzt war allerdings der Wetterbericht der Ansicht, dass genau der Donnerstag der schlechteste Tag der Woche sein sollte, nicht gerade ideal, um über den spaltigen Grenzgletscher zu spazieren.

Der rettende Vorschlag kam von Rudi. Er kannte die Südseite und meinte, auf die Piramide Vincent kommt man auch bei nicht ganz so schönem Wetter. So wurde kurzerhand umdisponiert und der Tag für den Hüttenwechsel auf Mittwoch vorverlegt. Die zweite Gruppe (Simone, Waste, Toni und Matthias Ruderer) entschieden sich für einen Versuch am Aletschhorn und verabschiedeten sich Richtung Tal.

 Abstieg ins Tal

Der Anstieg über den Grenzgletscher, wiederum bei schönstem Wetter, bot uns einmalige, hochalpine Eindrücke. Die Abfahrt zur Mantova-Hütte war dann auch eindrucksvoll, allerdings nur wegen der miesen Schneequalität. Die Hütte selbst war ziemlich „italienisch“, bis hin zum Plumpsklo.

Der angekündigte Schlechtwettertag begann dann auch so, allerdings zeigte sich schon beim Anstieg auf die Piramide Vincent, 4.215 m, eine Tendenz zur Wetterbesserung. So wurde gleich noch der Nachbargipfel Balmenhorn, 4.167 m, angehängt. Und weil´s immer schöner wurde, ging´s auch gleich weiter auf die Ludwigshöhe, 4.322 m. Nach so einer traumhaften Gipfelsammlung konnte uns dann auch die Abfahrt zurück zur Mantova-Hütte (s. Vortag) nicht mehr ärgern.

Am nächsten Tag ging es zurück zur Monte-Rosa-Hütte. Aber an einem – schon wieder – so herrlichen Tag geht das natürlich nicht, ohne auf dem Rifugio Regina Margherita vorbei zu schauen. Bekanntlich steht diese Hütte auf der Signalkuppe, 4.554 m, also Steigeisen raus und hinauf.

 Abstieg von der Signalkuppe

Aber halt, da steht ja nebenan noch so ein felsiger Kopf. Ja die Zumsteinspitze, 4.563 m, darf natürlich auch nicht fehlen. Die Abfahrt zur Monte-Rosa-Hütte hatte zwar deutlich mehr Spalten als die Südseite, aber dafür eine viel bessere Schneequalität zu bieten. Dort angekommen fühlten wir uns gleich wieder wie zu Hause und nutzten alle die Dusche!

Spalten und Hörnli

Der hart gefrorene Hang und die Gletscherspalten unterhalb der Hütte sorgten am nächsten Tag noch für etwas Spannung. Aber dann ließen wir diese Tourenwoche mit leichten Schwüngen auf  der firnigen Unterlage ausklingen. Nur ab und zu mussten wir nochmal anhalten und einen Blick zurück auf diese herrlichen weißen Berge werfen.
 Ja, so waren´s halt doch mehr als zwei Gipfel ….

Blick zurück

Was natürlich noch erwähnt werden muss: auch die zweite Gruppe war erfolgreich und hat das Aletschhorn besteigen können.

Mit dabei:  Mary Brandmaier, Matthias Riedl, Simone Heer, Waste Lippacher, Rudi Riepl, Michi Kreuz, Matthias Ruderer, Toni Sellmeir, Sybille und Rainer Preis
Leider nicht dabei: Renate und Ulf Müller

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