Wanderwoche auf Madeira

13.-21. Mai 2009 – Madeira: Wunschziel des Tourenleiters seit langem. Und eines Tages flattert da ein Kooperationsangebot des DAV Summit Club ins Haus … sofort zuschlagen! Und nachdem noch einige organisatorische Hürden (die die Leute vom Summit Club hervorragend lösen) überwunden sind, machen sich 17 KranzlerInnen auf zur „Insel des ewigen Frühlings“.

Mittwoch

Beim Abflug schauen zwar noch einige etwas zerknittert, aber nur, weil um halb vier Uhr aufstehen doch nicht jedermanns (und jederfrau) Sache ist … da hat es eine Teilnehmerin gleich besser gemacht: Sie hat sich gleich gar nicht hingelegt, und so kann man nicht müde sein beim Aufstehen. Wie schön eine Nacht am Flughafen doch sein kann!

Von München fliegen wir los mit kurzem Zwischenstopp in Lissabon; raus aus dem Flieger, rein in den Flieger, weiter geht’s, und nach kurzem Flug landen wir in Madeira. Die früher berüchtigte Flugpiste am Meer hat durch die Verlängerung viel von ihrem Schrecken verloren, und wir landen auch problemlos. Am Ausgang werden wir von unseren Fahrern empfangen, die uns ins Hotel in Funchal bringen. Wir beziehen unsere Zimmer und machen uns dann gleich auf zum ersten Erkundungsgang durch die Stadt.

Das erste Problem ist verkehrstechnisch: Unser Hotel ist zwar gut mit dem Auto, aber sehr schlecht zu Fuß erreichbar, und so gehen wir entlang der Hauptverkehrsstraße ohne Gehsteige Richtung Stadtmitte. Wir atmen durch (im wahrsten Sinne des Wortes), als wir endlich die Altstadt und damit ruhigere Straßen (mit Gehsteigen!) erreichen. Wir haben etwas Orientierungsprobleme, ehe wir die Station der Seilbahn hinauf zum Stadtteil Monte finden. Wir schweben mit ihr von Meereshöhe hinauf auf knapp 600m und bekommen auf der Fahrt einen ersten Überblick über die an die Steilhänge der Insel gebaute Stadt.

Kirche in Monte

In Monte besichtigen wir zuerst die Kirche „Nossa-Senhora-do-Monte“, in der der letzte österreichische Kaiser Karl I. begraben ist; er verstarb hier im Exil, in das er nach dem 1. Weltkrieg mit seiner Familie gehen musste. Vom Vorplatz der Kirche hat man einen schönen Blick über die Stadt – und hinunter zum Startplatz der Korbschlittenfahrer, denen wir später noch begegnen werden.

Wir machen uns zunächst auf den Weg in den „Jardim Tropical Monte Palace“, den tropischen Garten also. Wir genießen den Rundgang in der Parkanlage mit der exotischen Flora, wie Montbretien, Kallas, Orchideen, Baumfarnen, und und und … wir freuen uns über diese prächtige Gartenanlage mit der vielfältigen Pflanzenwelt. Den Abschluss bildet ein Besuch im Cafe der Anlage, wo wir ein erstes Glas Madeira-Wein probieren.

Dann teilt sich die Gruppe: Während sich die einen schon auf den Weg machen, um zu Fuß wieder hinunter zu steigen auf Meereshöhe, nehmen vier von uns den schnellen Weg: Wir lassen uns von den berühmten Korbschlittenfahrern chauffieren. Ja, stimmt schon: Es ist eine Angelegenheit für Touristen, und es ist auch nicht gerade billig. Aber was für eine Gaudi! Laut kreischend gleiten wir auf Holzkufen mit bis zu 50 km/h die Straße hinunter, und öfter glauben wir, dass diese Kurve nun nicht mehr zu meistern ist, dass wir mit diesem Auto nun aber sicher zusammenstoßen (die Straße ist nicht gesperrt) oder dass wir nun aber ganz sicher umwerfen werden … aber letztlich steuern uns die beiden Fahrer des Korbschlittens sicher ans Ziel. Was für ein Spaß!

Wir gehen die steile Straße (nix für Leute mit Knieschnackler) dann weiter hinunter Richtung Hafen, kaufen in einem Supermarkt noch etwas Proviant und sind dann zurück im Hotel. Ein schöner erster Tag!

Donnerstag

Da wir durch die frühere Anreise einen ganzen Tag gewonnen haben und das „offizielle“ Programm erst morgen beginnt, haben wir heute Gelegenheit, uns weiter in Funchal umzuschauen. Wir gehen zunächst zum Hafen hinunter und durch den sehr schön angelegten Marina-Park, wo wir wieder über die unbekannten Pflanzen rätseln, die hier wachsen. Danach flanieren wir entlang der Hafenpromenade, gehen durch die Altstadt, besichtigen die Kathedrale und kommen schließlich zum „Mercado dos Lavradores“, gewissermaßen dem Viktualienmarkt von Funchal. Ein Ort für Genießer … begeistert schauen wir uns die exotischen Früchte an, die uns zum Teil völlig unbekannt sind (und probieren sie natürlich auch; die Verkäufer drängen einen regelrecht dazu). Und das Highlight ist dann die Fischhalle, wo vor allem auch der Espada (Degenfisch) ausgelegt ist. Er kommt außer rund um die Kanaren (wo er nicht gefischt wird) praktisch nur hier in Madeira vor. Ein Raubfisch mit grimmigem Aussehen, aber exzellentem, fast grätenlosem Fleisch. Unter welchen Arbeitsbedingungen der Fisch allerdings für den Markt vorbereitet wird, kann man in einem Nebenraum sehen: Nix für zarte Seelen … im Innenhof bestellt sich die Erika dann einen Becher „von dem Saft da“ – und stutzt: Der Saft schmeckt stark nach … nach … Alkohol! Kein Wunder: Sie hat „Poncha“ in ihrem Becher, das Nationalgetränk der Madeirenser, eine Mischung aus Zuckerrohrschnaps, Honig und Orangensaft. Erika hat es trotzdem überstanden.

Nach dem Besuch des Marktes wandern wir durch die Altstadt und wollen eigentlich ins Weinmuseum, aber als wir dort ankommen: Das Museum ist dauerhaft geschlossen; na sauber. Aber Sonja weiß Rat: Wir gehen zu Blandy‘s Wine Destillery, und es gelingt ihr, eine Führung zu organisieren. Eine sehr gute Idee, wie sich zeigt: Unsere Führerin spricht gut deutsch, und vor allem erzählt sie so anschaulich und witzig über Geschichte, Anbau und Sorten des Madeira-Weins, dass es eine wahre Freude ist. Natürlich folgen wir ihr am Ende gerne in die Probierstube, um den guten Tropfen dann auch zu verkosten. Wir testen uns durch die verschiedenen Sorten; fünf Gläschen wären im Eintrittspreis enthalten, aber nach vieren passen wir; der Madeira hat ja schließlich so um die 20% Alkohol.

In der Probierstube

Gut gelaunt gehen wir wieder hinunter zur Hafenmole und kehren in einem Strandlokal ein; bei Cappuccino und einer frischen Halbe genießen wir die Sonne. Danach gehen wir zurück zum Hotel; einige testen noch ausgiebig den Hotel-Pool.

Freitag

Nach dem Frühstück werden wir von zwei Kleinbussen nach Machico gefahren, dem Ausgangspunkt unserer heutigen Tour. Sonja führt entlang einer Levada, den berühmten Bewässerungskanälen Madeiras, in ein Tal hinein. Wir steigen Berghänge hinauf, die deutlich von Waldbränden gezeichnet ist, auch wenn sich die Vegetation schon wieder erholt, und erreichen schließlich die Boca do Risco, einen Einschnitt über der zum Atlantik nach Norden hin abfallenden Steilküste. Wir genießen den Ausblick aber nicht allzu lang, weil eine sehr steife Brise durch den Einschnitt wie durch eine Düse bläst. Besser ist es da schon auf dem Weiterweg, der sich aussichtsreich durch die Steilküste schneidet. Wir begegnen zum ersten Mal dem „Stolz von Madeira“, einem endemischen Natternkopfgewächs, das kerzenartig auf den Hängen wächst. Wir folgen dem abwechslungsreichen Pfad, bis wir auf eine Straße treffen und die Steilküste verlassen. Ein guter Platz für eine Rast. Sonja und Hans haben „Bolo de Mel“ (Honigkuchen) mitgebracht, eine madeirensische Spezialität, die wir uns nun schmecken lassen.

Blick auf Porto da Cruz

Nach der Brotzeit setzen wir den Weg auf einer Levada fort und erreichen so die Hänge über Porto da Cruz, von wo sich ein wunderbarer Ausblick auf den Hafenort und die Küste bietet. Wir steigen zum Meer hinunter ab; einige von uns hatten Badesachen mitgenommen, aber der sehr steinige Strand und die Brandung lassen erst gar keinen Versuch zu, ins Meer zu steigen.

In Porto da Cruz treffen wir unsere beiden Fahrer im Strandcafe, wo wir auch selbst einkehren. Einige gehen auch noch zur Zuckerrohrfabrik im Ort. Wir können die Fabrik einfach so betreten und den Arbeitern zuschauen. Es herrscht ein Höllenlärm, und das Wort Arbeitssicherheit scheint zur Gänze unbekannt. Einen Kontrolleur der deutschen Berufsgenossenschaft würde hier sofort der Schlag treffen … wir gehen dann noch in eine kleine Kneipe neben der Fabrik, um „Aguardente“, das „brennende Wasser“, zu probieren, das aus dem Zuckerrohrsaft gebrannt wird. Der Wirt beteuert, sein Selbstgebrannter sei natürlich um Längen besser als das Zeug von der Fabrik da drüben … wir gehen zurück ins Cafe, treffen die anderen und fahren mit den Bussen zurück nach Funchal.

Samstag

Wir fahren mit unseren Bussen zum Jardim Botanico, dem Botanischen Garten, die sehr steilen Straßen hinauf (Madeira ist nix für Radler; die Bergstraßen haben oftmals eine geradezu absurde Neigung). Wir freuen uns an den großen Sukkulenten, wo gerade vieles blüht, und an den schön angelegten Gartenanlagen. Besondere Freude haben wir an dem weißen Pfau, der im Garten seine Pracht zur Schau stellt. Dann steigen wir in die Seilbahn und lassen uns wieder hinaufbringen nach Monte, wo wir unsere heutige Wanderung entlang dreier großer Levadas beginnen.

An der Seilbahn-Bergstation erwarten uns zunächst riesige Exemplare des „Stolzes von Madeira“, die natürlich ausgiebig fotografiert werden. Dann machen wir uns entlang der Levada dos Tornos auf den Weg. Wir folgen der Levada durch Curral das Romeiros und Choupana Hills, bevor wir uns im Wald nach dieser Villensiedlung zur Mittagspause an die Levada setzen. Danach erreichen wir eine Straße und steigen steil hinauf, vorbei an einem in den Hang betonierten Fußballstadion. Der weitere Weg im Wald ist dann noch steiler, und wir geraten ordentlich ins Schnaufen, so dass wir froh sind, als endlich die Levada da Serra horizontal in den Wald hinein abbiegt.

Wir wandern durch Eukalyptuswald und erreichen schließlich das Valle Paraiso – und der Name „Paradies-Tal“ scheint hier zurecht gewählt: Eine wahre, herrliche Ginster-Explosion begleitet uns auf dem Weg durch das Tal.

Im Ginsterwald

In einem Cafe in Achadinha kehren wir zur Rast ein; an der Wand hängt ein „Erdinger Weißbier“-Schild. Wir bevorzugen heute aber Wasser, Cappuccino und einheimisches „Coral“-Bier.

Uns führt der Weg nun weiter entlang der Levada nach Camacha, wo wir einen steilen Weg absteigen ins Porto-Novo-Tal, bis wir die Levada da Canical erreicht haben. Ihr folgen wir nun lange und sehr abwechslungsreich tief in einer wilden Schlucht, die Levada manchmal tunnelartig zugewachsen. Und wir durchqueren auch erstmals einen echten Tunnel, der für die Wasserleitung durch den Fels getrieben wurde. Als wir uns Assomada nähern, pressiert es uns dann aber etwas; der öffentliche Bus, mit dem wir zurückfahren, muss erreicht werden … wir beschleunigen den Schritt deutlich und erreichen den Bus dann auch punktgenau (tapfer, Leute!). Nach dreiviertelstündiger Fahrt erreichen wir Funchal und sind nach kurzem Fußweg zurück im Hotel. Ein langer, langer Tag liegt hinter uns …

Sonntag

Das Frühstück gibt’s heute schon um sechs Uhr früh, denn die „Königsetappe“ liegt vor uns. Um halb sieben werden wir abgeholt, diesmal von einem größeren Bus. Der Fahrer hat offensichtlich schlecht geschlafen; er grüßt nicht mal zurück und ist sehr maulfaul. Dass wir heute einen größeren Bus haben, erweist sich dann als Nachteil, denn der Bus quält sich sehr die steile Straße in Richtung Pico Arieiro hinauf, und wir wollten doch zum Sonnenaufgang oben sein … Nach einer Biegung kommt endlich die rot über dem Wolkenmeer leuchtende Sonne zum Vorschein; ich bitte den Fahrer anzuhalten, um fotografieren zu können. Er ist regelrecht verärgert … Hirschkopf! Natürlich setze ich mich trotzdem durch. (Die Unfreundlichkeit dieses Herrn ist absolut untypisch; die Menschen auf Madeira sind ansonsten nett und freundlich.)

Über den Wolken

Wir erreichen das Gipfelgasthaus am Arieiro auf 1800m Höhe und steigen den kurzen Steig zum Gipfel hinauf – und genießen die Sonne über einem Meer von Wolken. Wenn ich es mir vorher wünschen gedurft hätte: So hätte ich es mir gewünscht …

Wir machen uns dann auf den sieben Kilometer langen Weg Richtung Pico Ruivo, dem mit 1861m höchsten Berg auf Madeira. Ein Weg, der abwechslungsreicher und schöner nicht sein könnte, das Wetter spielt absolut mit, und außer uns ist niemand (!) unterwegs. Herz, was willst Du mehr?

Wir wandern in stetigem Auf und Ab, begleitet von wunderschönen Blumen, wie z.B. Knabenkraut ähnlichen, nur hier vorkommenden Orchideen, der sehr gut angelegten und gesicherten Steiganlage entlang. Hin und wieder gehen wir durch mal kürzere, mal längere Tunnel, so dass auch die Stirnlampe, ohne die Wandern auf Madeira praktisch nicht geht, zum Einsatz kommt. Fritz testet, was härter ist: Tunnel- oder Schädeldecke? Ergebnis: Ja mei. Operationsschwester und Ehefrau Franziska verarztet erfolgreich (der Tunneldecke fehlt nix).

Wir erreichen die Pico Ruivo Hütte, wo wir allerdings nicht einkehren, sondern gleich zum Gipfel aufsteigen. Dort wird der Gipfelerfolg angemessen gefeiert: Hans hat ein Fläschchen Madeira-Wein dabei, mit dem wir auf den schönen Tag anstoßen, ehe wir uns auf der großen, mit Holz angelegten Gipfelterrasse zur Brotzeit niederlassen. Herrliche Blicke zurück zu den von uns gequerten Bergen Pico Gato und Picos das Torres und steil hinunter in den beeindruckenden Kessel von Curral das Freiras, in den wir danach absteigen werden. Nach ausgiebiger Rast machen wir noch ein Gruppengipfelfoto und treten unseren Abstieg an.

Nun ziehen aber doch Wolken auf, deren Föhnwalze über dem Encumeada-Pass wir schon die ganze Zeit beobachten konnten. Das Schöne daran: Durch die Wolken wird unser Weiterweg durch den Baumheide-Wald („baumgroße Erika“ wollte ich eigentlich schreiben, aber unsere ist ja doch eher eine kürzere Ausgabe) zu einem richtigen Gang durch einen Zauberwald. Allerdings müssen wir nach einigem Abstieg auch wieder ein gehöriges Stück Gegenanstieg meistern, ehe wir dann steil hinunter steigen nach Curral. Letztlich werden wir 1750 Hm Abstieg hinter uns gebracht haben …

Wir durchwandern die Baumheide-, Eukalyptus- und Lorbeerwald-Zone, ehe wir den Ort erreichen. Nachdem wir ein Stück der Straße gefolgt sind, finden wir ein „idyllisches“ Cafe, in dem wir einkehren. Dort erfahren wir, dass der Bus keineswegs um halb fünf fährt, sondern erst um halb sechs aus Funchal abfährt (auf dem Fahrplan steht nur die Abfahrtszeit ab der Hauptstadt, so dass nur die Einheimischen halbwegs schätzen können, wann der Bus dann hier sein wird. Das verstehe, wer will). Nach zweieinhalbstündigem Warten kommt der Bus aber letztendlich doch und wir fahren zurück in die Stadt und das Hotel.

Montag

Wir fahren mit den Kleinbussen in Richtung Encumeada-Pass; oberhalb des Passes führt unser heutiger Weg an einer Levada entlang. Sonja, die die Tour führt, muss die Teilnehmer gleich zu den Regensachen greifen lassen: Aus den Steilwänden ergießen sich Wasserfontänen auf unseren Weg. Bei Sonnenschein mit Regenschirm … Herrliche Ausblicke eröffnen sich; wir erreichen eine Stelle, wo man den Atlantik zu beiden Seiten der Insel sehen kann. Wir wandern durch Baumheide- und Ginsterwälder.

Bei Sonnenschein mit Regenschirm

Wir gehen nicht direkt zu unserem Umkehrpunkt Caramujo, sondern nehmen noch einen Abstecher auf einen Berg mit (eh klar), der Bica da Cana. Der Gipfel erweist sich allerdings als relativ unspektakulär und eröffnet eigentlich nur zusätzliche Ausblicke auf die Windkraftanlagen der Hochfläche Paul da Serra.

Wir wandern wieder hinab und setzen unseren Weg entlang der Levada fort, bevor wir auf eine steinige Straße treffen. Dieser Straße, die Füße und Nerven strapaziert, folgen wir hinab, bis wir bei einer Hütte auf die Levada del Norte treffen, eine der größten Levadas Madeiras. Entlang der Levada gibt es viele Agapanthus-Pflanzen zu bewundern, ehe wir auf einen kurzen und vier spektakulär lange Tunnel treffen. Stirnlampenpflicht, und die Vorausgehenden warnen die dahinter schnatternd vor den kommenden Hindernissen. Sogar Fritz ist diesmal heil durchgekommen …

Nach dem letzten Tunnel ist es nicht mehr weit bis zur Straße. Hans steigt ein kurzes Stück auf, um die wartenden Busse zu holen, dann fahren wir zurück nach Funchal und ins Hotel.

Dienstag

Am Morgen geht’s zögerlich los: Einer hat seinen Fotoapparat vergessen. Der Tourenleiter hat vollstes Verständnis: Holen! Kaum wieder da: Stöcke vergessen. Wieder hoch. Kann nicht ins Zimmer, Einlasskarte defekt. Sandra leiht Stöcke aus – hochlaufen, holen. Endlich alles und alle komplett.

Wieder fahren wir nach Encumeada, allerdings gestaltet sich die Anreise heute schwieriger: Als wir die Pass-Straße erreichen, fahren vor uns Schwertransporter mit Teilen einer Windkraftanlage; ein Vorbeikommen unmöglich. Im Schritttempo fahren wir hinterher, ehe wir unseren Ausgangspunkt dann mit einer weiteren halben Stunde Verspätung erreichen. Heute stimmt was nicht …

Wir wandern einen Höhenweg über Curral Jancao zur Boca da Corrida. Leider spielt das Wetter nicht mehr so gut mit wie an den Vortagen – was schade ist: Wir wandern durch ein Meer von Ginster, der bei Sonne seinen Reiz sicher noch weiter entfaltet hätte.

Ginster mit Stolz von Madeira

Wir queren einige Wasserläufe, bis wir unter den Hängen des Pico Grande zum ersten Mal auf die andere Seite des Höhenzugs und damit hinunter nach Curral das Freiras blicken können. An einer schönen Stelle machen wir Mittagsrast.

Da die Stellen am Weg nicht bezeichnet sind, können wir nur ungefähr sagen, ob wir den Passo de Aires schon passiert haben und ob der umrundete Berg nun schon der Pico Cavalo war oder nicht – und so sind wir ziemlich überrascht, als wir plötzlich bereits am Forsthaus in Boca da Corrida sind, ein Gehstunde schneller als veranschlagt. Hier sollten wir abgeholt werden (nach der Erfahrung mit dem Bus von Curral haben wir unsere Kleinbusse auf eigene Rechnung hierher bestellt), beschließen aber nun, doch bis ins Cafe im nächsten Ort abzusteigen. Die Straße ist zwar steil und das Pflaster anfangs unangenehm zu gehen, aber dafür belohnen wir uns dann im „O Mario“ mit Kaffee und Bier. Und Sepp gibt eine Runde Poncha aus für seinen Fehlstart heute morgen. Prost!

Mittwoch

Wir fahren Richtung Encumeada-Pass, von wo wir zur Hochfläche Paul da Serra weiter wollen. Aber schon als wir uns der Pass-Straße nähern, sehen wir, dass wieder die Schwertransporte unterwegs sind … unsere Fahrer drehen um und nehmen den Umweg über Ribeira Brava. Später als gedacht kommen wir auf 1300m Höhe an, und auch das Wetter ist anders als gewünscht: Wir steigen in Wolken aus und es nieselt. Im Reiseführer steht allerdings, dass die Gegend ohnehin ihren größten Reiz bei Nebel und Wolken entfaltet– na also, ist ja fast wie bestellt.

Wir steigen zunächst mal – leider in Begleitung vieler anderer Touristen – ab bis zum Forsthaus von Rabacal und folgen dann der Levada do Risco bis zum gleichnamigen Wasserfall. Herrliche, von Bartflechten bewachsene Baumheide säumt den Weg.

Danach müssen wir ein Stück zurück bis zur Abzweigung zum Wasserfall der „25 fontes“ (Quellen). Wir folgen lange einer Levada, ehe wir den Kessel dieses Wasserfalls erreichen, der seinen Namen von den vielen Stellen des Steilhangs, aus denen Wasser austritt, hat. Als wir dort ankommen, sind wir noch alleine. Allerdings hält das nicht lange, ehe sich der Touristenstrom auch hier ergießt – gut, dass wir so schnell waren, so konnten wir die Schönheit des Ortes noch ohne „Störer“ genießen.

An den 25 Quellen

Wir gehen wieder ein Stück zurück und biegen dann auf einen steilen Weg abwärts ein, der uns wieder zu einer Levada bringt. Als wir uns einen Platz zur Mittagsrast suchen, hört sogar der leichte Nieselregen auf, so dass wir nicht im Tunnel Mittag machen müssen.

Wir steigen etwa 10 Minuten auf und erreichen dann den Eingang zum größten und längsten Tunnel unserer Wanderwoche: 800 Meter im dunklen Stollen erwarten uns. Weil aber der Tunnel geräumig ist und gut zu gehen, haben wir schon nach 15 Minuten das andere Tunnelende erreicht. Dort gibt es eine freudige Überraschung: Franziska zieht zur Feier des Tages (und ihres Geburtstages in der Vorwoche) eine Flasche Madeira-Wein aus dem Rucksack. Sie lebe hoch!

Wir steigen nun ab in ein Tal, gehen ein Stück an einer Levada und steigen dann steil an einer Pipeline entlang zu einem Kraftwerk ab. Von dort gehen wir über eine gepflasterte Straße zu unserem mit den Busfahrern vereinbarten Treffpunkt – oder zumindest dachten wir das: Denn Beschreibung und tatsächlicher Zielort stimmen nicht überein … zwei kurze Telefonate, und die Fahrer sind vor Ort.

Bei der Rückfahrt kommt uns dann die Idee, wir könnten noch einen Abstecher zum Cabo Girao machen, einer der höchsten Steilküsten der Welt. Die Fahrer stimmen zu, und so biegen wir von der Schnellstraße ab und fahren hoch zum Aussichtspunkt. Dort fällt die Klippe knapp 600 Meter senkrecht zum Meer. Die saugende Tiefe und die fantastische Aussicht auf die Bucht von Funchal bieten ein herrliches Schauspiel; gut, dass jetzt die Sonne wieder scheint!

Am Cabo Girao

Nachdem wir uns satt gesehen haben, fahren wir weiter nach Funchal und ins Hotel.

Für den Abend hat Sonja dann ein Madeira-Quiz vorbereitet, zu dem die Teilnehmer in drei Rategruppen geteilt werden: „Tasten, Riechen, Raten“ lautet für jede Gruppe die Devise. Leichte Fragen wechseln sich ab mit solchen, an denen sich die Ratefüchse die Zähne ausbeißen. Und am Ende haben gewonnen: alle! Dass es heute etwas später wird: Wen wundert’s …

Riecht gut

Donnerstag

… trotzdem sind heute alle wieder fit. Eigentlich wollten wir noch einen Stadtbummel machen, aber die ganze Nacht durch und auch jetzt schüttet es wie aus Kübeln, so dass die meisten darauf verzichten. Beim Frühstück allerdings fehlt einer: Wo ist denn der Rudi? Hat der denn gestern so viel …, dass er verschlafen hat? Aber nein: der Rudi war „nur“ eine dreiviertel Stunde im Lift gefangen, ehe ihn der Service befreien konnte …

Gegen Mittag sind alle reisefertig in der Hotellobby versammelt, und wir fahren hinaus zum Flughafen. Die Rückreise verläuft reibungslos, und so kommen alle wieder wohlbehalten in München und z’Arding an.

Die Tourenleiter Sonja und Hans bedanken sich ganz herzlich bei der Gruppe, die sehr harmonisch und auch im Leistungsvermögen sehr homogen war. Ihr seid die Besten!

Und ganz herzlichen Dank an den Summit Club für die Organisation – und vor allem für viele erfolgreiche Mühe, die sie sich mit unserem Zusatztag, der Umbuchung des Fluges und der Neuauswahl des Hotels gemacht haben; dieser Dank gilt vor allem auch Frau Sturm! Sehr, sehr gerne würden wir eine solche Reise auch nächstes Jahr wieder in Zusammenarbeit mit dem Summit Club machen, und wir hoffen, dass dieses Angebot beibehalten oder sogar ausgebaut wird.

Dabei waren:
Sandra Baldus, Günther Budil, Edmund und Marianne Heger, Moni Hofer, Sepp Kirmair, Rudi Kreuz, Harro Loy, Franziska und Fritz Müller, Gernot und Lydia Puchta, Robert Stimmer, Birgit Welnhofer und Erika Wenhart.
Tourenleitung: Sonja Schupsky und Hans Sterr (Bericht)

Alle beinander am Pico Ruivo

Hinweis für die Teilnehmer der Reise: Am Freitag, den 25. September, findet um 19 Uhr der Fotoabend statt – vormerken!

One Response to “Wanderwoche auf Madeira”

  1. Moni sagt:

    Ein super Bericht über eine super Woche in einer super Zeit!!! Ein großes Danke!

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